Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?
Roma Ligocka
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Zu den auffälligen und beständigen Autoren im Bereich der medizinischen Fach- und Ratgeberliteratur gehört zweifellos Asmus Finzen. Sein jüngstes Buch "Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund? Räsonieren über das Heilen" überrascht. Kaum ist bisher so differenziert über die spezifischen und unspezifischen Wirkfaktoren verschiedener Behandlungsmethoden und das Placebo-Problem geschrieben worden. Im Mittelpunkt stehen Beispiele aus der Psychiatrie (u.a. Psychiatrische Therapie, Psychotherapie, Soziotherapie), "aber die übrige Medizin ist immer mit gemeint". Dabei erkennt er als Psychiater an, dass die medizinische Behandlung "oft nicht zum Ziel kommt", dass viele Erkrankungen "von allein wieder ausheilen" und "dass manche unserer Patientinnen und Patienten trotz unserer Therapie wieder gesund werden".
Überraschende Einsichten werden auch zum Ansehen der modernen Medizin in der Öffentlichkeit formuliert. So würden heute nicht die Leistungen der Medizin das Bild in der Öffentlichkeit prägen, "sondern ihr Unvermögen bei unverminderten Hoffnungen und anscheinend unbeirrbarem Fortschrittsglauben". Aussagen wie "Die überlieferte psychoanalytische Theorie, die Metapsychologie, die Theorie der Psychoanalyse, hat sich als Irrweg erwiesen" oder "Die Ironie der Geschichte will es, dass die systemische Therapie sich auf einen fast identischen Irrweg begeben hat", machen deutlich, dass sich auch Experten mancher Theoriegebäude irren können.
Nach Finzens Ansicht führt die Enttäuschung von der modernen Medizin zur Suche nach einer Alternative. Eine ist die Alternativmedizin. Der Autor setzt sich mit einigen alternativen Heilmethoden, die von diesem Dach gedeckt werden, und mit der "scheinbaren Vermischung der Grenzen zwischen" Medizin und Alternativmedizin auseinander. Finzen macht couragiert den Unterschied zwischen beiden deutlich.
Aber auch Mahnendes klingt mit: "Angesichts der Lebenslüge der modernen Medizin, dass alles machbar sei, wenn man wirklich wolle, ist es nur konsequent, die Existenzberechtigung derjenigen in Zweifel zu ziehen, bei denen im Sinne der modernen Medizin nichts mehr zu machen ist - und dann gnade uns Gott." Gerade in dieser Zeit, wo der Öffentlichkeit ein 471 Seiten starker Gesetzentwurf zur Modernisierung des Gesundheitswesens mit dem Slogan "DAMIT DEUTSCHLAND GESUND BLEIBT" präsentiert wird, ruft Finzens Buch die berechtigte Frage nach dem Sinn der Machbarkeit auf. Aufgrund seiner brisanten Thematik zählt es zu den wichtigsten Büchern der jüngsten Zeit.
Rezensent
Roland Hartig |