Das Rätsel Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt
Heinz Häfner
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Es hört sich an wie ein Sciencefiction Roman mit Happy End: "Das Rätsel Schizophrenie - Eine Krankheit wird entschlüsselt". Doch es handelt sich um ein kürzlich im C.H. Beck Verlag erschienenes Buch. Der Autor Heinz Häfner, ehemaliger Ordinarius für Psychiatrie in Heidelberg und international anerkannter Schizophrenieforscher, hat das derzeitige Wissen über diese Krankheit, ihre Ursache und ihre Behandlung in einer auch für Laien verständlichen Weise zusammengestellt. Häfner stellt nicht nur eine Reihe neuerer Forschungsergebnisse vor, die interessante und bisher kaum registrierte Perspektiven eröffnen, er ist auch auf der Grundlage des gegenwärtigen Wissensstandes zu einer gegenüber der Tradition deutlich abweichenden Vorstellung von dieser Krankheit und ihren Ursachen gekommen. Mit seinem Buch versucht der Autor einer der geheimnisvollsten seelischen Erkrankungen den Ruf des Unheimlichen und der Ausweglosigkeit zu nehmen.
Schlüssig auch sein Statement zur "Antipsychiatrie": "Inzwischen ist die antipsychiatrische Bewegung von den Realitäten der Krankheit und von der Not der Kranken eingeholt worden, letztlich wegen ihres Unvermögens, den Kranken und ihren Angehörigen die notwendige Behandlung und Hilfe zu gewähren."
Heinz Häfners Darstellung läßt deutlich werden, dass das Rätsel Schizophrenie weitgehend gelöst ist und die Therapie- und Hilfsmöglichkeiten vielfältig und erfolgversprechend sind. Dieses Buch leistet einen wichtigen Beitrag, eine besonders gefürchtete psychische Erkrankung vom Stigma des Mysteriös-Bedrohlichen zu befreien.
Aus: Lichtblick-Newsletter Nr. 15 vom 04.09.2000
Schizophrenie: Falsche Vorstellungen über die Ursachen: "Das Rätsel Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt" - dieses Buch von Heinz Häfner, Emeritus der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim, haben wir im NL 15/2000 vorgestellt. Wichtig erscheint uns, hier noch kurz auf sein Kapitel "Falsche Vorstellungen über die Ursachen der Schizophrenie" (242 bis 246) einzugehen. Dabei verweist der Autor auf zwei Phänomene. So gebe es eine beträchtliche Zahl von Missdeutungen der Krankheit, "die naturgemäß durch ihren kulturellen Hintergrund beeinflusst sind". Nach seiner Ansicht reichen sie von der Überzeugung, durch böse Geister besessen zu sein, über die Folgen exzessiver Onanie bis zur Vorstellung, zuviel geistige Arbeit und Beschäftigung mit Büchern sei geeignet, junge Menschen von der Wirklichkeit zu entfremden und sie verrückt zu machen. Andererseits "weist auch die Geschichte psychiatrischer Theorien über die Ursachen der Schizophrenie etliche irreale und mit unheilvollen Folgen belastete Fehldeutungen auf".
Äußerst scharf setzt sich der Autor mit psychoanalytischen, kommunikationstherapeutischen und systemischen Hypothesen auseinander. Dass sie die Eltern schizophren Erkrankter beschuldigten, "für die Krankheit ihrer Kinder verantwortlich zu sein", verdeutlichen auch solche simplen Formulierungen wie "Überfürsorglichkeit" und "dominierendes Verhalten". Ideologie statt wissenschaftlicher Hintergrund bestimmte die Theorie der «schizophrenogenen Mutter». Sie bekam zur leidvollen Last und Sorge "auch noch das Verdikt der Schuld an der Krankheit aufgeladen", urteilt Heinz Häfner. Gleichzeitig betont er, dass Freud vorsichtig genug war, von einer psychoanalytischen Behandlung der Schizophrenie abzuraten. Frida Fromm-Reichmann, Rosen, Sullivan bezeichnet er als "Dissidenten der Freudschen Lehre", die mit modifizierten psychoanalytischen Methoden schizophren Erkrankte behandelten. Über die Auswirkungen dieser Therapien schreibt Häfner, dass sie zu "enttäuschenden, teilweise erheblich risikobelasteten Ergebnissen" führten. An dieser Stelle wäre eine Statistik über gescheiterte Therapieversuche sinnvoll. Aber wer lässt sich schon in die Karten kucken? Schließlich erfährt der Leser, dass es heute die Väter sind, "die ihre Söhne in die Schizophrenie treiben". Dabei stützt sich Häfner auf das Buch «Macht der Väter, Krankheit der Söhne». Die Autorin, die er namentlich nicht erwähnt, heißt Marga Kreckel und ist von Beruf Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin. Häfner schreibt dazu: "Der Briefwechsel von Hermann Hesse und Franz Kafka wurde in diesem Buch zur Erläuterung schwerer Vater-Sohn-Konflikte herangezogen. So weit, so gut. Dass die aus Vater-Sohn-Konflikten entstehenden Spannungen sich nicht selten in schizophrenen Zuständen entladen, ist eine Erfindung der Autorin.
Es ist absolut unverantwortlich, das beträchtlich angewachsene Wissen um die ursächlichen Faktoren, die zum Auftreten einer Schizophrenie beitragen, in den Wind zu schlagen und mit dem Gespenst des schizophrenogenen Vaters erneut einer großen Zahl von Menschen zum Leid der Krankheit ihres Kindes noch zusätzlich eine nicht existierende Schuld an der Entstehung der Krankheit aufzubürden. Erziehungsmängel, und das muss an dieser Stelle ausdrücklich als Zitat aus dem Schizophrenieprogramm der psychiatrischen Weltvereinigung angeführt werden, sind nicht die Ursache der Krankheit Schizophrenie (Handbuch zum internationalen WPA-Programm gegen Stigmatisierung und Diskriminierung von Schizophrenie, dt. Übersetzung 1999)." Deutliche Worte von Heinz Häfner, der für sein informatives Werk aus dem C.H. Beck Verlag beim Wettbewerb "Wissenschaftsbuch des Jahres" den dritten Preis erhielt.
Heinz Häfner, Das Rätsel der Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt
Rezensent:
Roland Hartig |